Wahnsinnige Zauberer, Ökoterroristen und ein 2:1

11. bis 13. Februar 2005 – AdventureCon 2005

Das Jahr war noch nicht alt, als der Adventure Con seinen Fuß in die Tür mit der Aufschrift „Rollenspielveranstaltungen, die du unbedingt mal besuchen solltest“ stellte und partout nicht mehr hinausziehen wollte. „Nun gut“, dachte sich die geistige und moralische Elite unseres werten Rollenspielclubs, „da müssen wir auch einmal hin.“ Gesagt, getan. Um es vorweg zu nehmen: Wir sollten es nicht bereuen.

Es war ein Samstag Mittag, als wir am Ort des Geschehens eintrafen. Wir, das waren in diesem Falle neben mir noch Mirko, Mona und Lili, die nicht durch Arbeit, plötzliche Termine oder [hier eine andere beliebige Ausrede einsetzen] verhindert waren, unseren Verein nach außen hin ein wenig zu repräsentieren und dabei auch noch reichlich Spaß zu haben. Eine Rollenspielconvention lebt ja meist davon, dass man einmal andere Leute kennen lernt und ganz in diesem Sinne war mit die erste Person, die uns über den Weg lief auch… unser eigener Vereinspräsident Carsten. Er hatte sich – wie auch der hochgeschätzte Walter übrigens – bereits am Freitag hier blicken lassen.

Blicken lassen konnte sich aber erst einmal der Ort des Geschehens, das Bürgerhaus in Eidelstedt. Dieses liegt relativ zentral und ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Eine erste Inspektion ergab, dass die größtenteils nett dekorierten Spielräume bereits sehr gut gefüllt waren. Leider waren wir wohl etwas spät dran, denn die meisten Runden liefen bereits und neue Aushänge waren zu diesem Zeitpunkt leider rar. Das vielleicht als kleiner Kritikpunkt.

So kam es dann, dass Mirko und ich uns erst einmal in der Kantine mit leckeren Hotdogs und nicht minder köstlicher Kartoffelsuppe den Bauch voll schlugen. Alles sehr nett zubereitet und zu einem günstigen Preis – so soll Con-Verpflegung aussehen. Daneben konnten wir noch einen kleinen Plausch mit einigen SDNVlern halten, den Veranstaltern dieses Cons. Die Abkürzung steht übrigens für „Sodalitas Dei Nomine Vacantis“. Das ist lateinisch und heißt wohl so etwas wie „Leckerer Stangensellerie auf Toast“ Oder so ähnlich. Nun, wie auch immer: Nach der Verköstigung beschloss Lili, selbst eine DSA.-Runde zu leiten und während sie sich um den Aushang kümmerte, zockten wir anderen erst einmal eine Runde Tichu. Diese wurde von mir souveränst (HarHarHarHar) gewonnen, bevor ich den Con dann erst einmal verlassen musste.

Wie? Verlassen? Aber sagte er nicht, dass…? Natürlich ist an dieser Stelle mein Bericht noch nicht abgeschlossen, aber eines muss ich eingestehen: Ich bin HSV-Fan. Ja, in Rollenspielerkreisen mag vielleicht ein „Ich bin Satanist und opfere wöchentlich ein Huhn“ mit weniger Entsetzen zur Kenntnis genommen werden, aber so ist es nun einmal. Da der HSV an diesem Samstag ein Heimspiel gegen Stuttgart hatte, machte ich also einen kurzen Abstecher in die AOL-Arena.

Zeitsprung

Gegen 19.00 Uhr war ich dann wieder zurück, mehr als zufrieden mit einem grandiosen Heimsieg meines Vereins. Da ich mich für ein um 20.00 Uhr beginnendes Cthulhu-Live-Abenteuer eingetragen hatte, verbrachte ich einige Zeit damit, bei Lilis Runde zuzugucken oder mit Mona durch den Regen draußen zu spazieren. Göttlich der Anblick der immer nervöser werdenden Lili, die sich ebenfalls beim Cthulhu-Abenteuer eingetragen hatte, deren Spieler am Ende aber nicht so ganz zu Potte kamen. Auf die Minute genau wurde das Abenteuer dann aber doch zur vollsten Zufriedenheit beendet und ich muss Lili an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen: Mit 14 und als relativ unerfahrene Rollenspielerin gleich auf einer Convention ein Abenteuer meistern – Respekt.

Das Cthulhu-Live-Abenteuer ordne ich schlicht und einfach in die Kategorie „BOAHHHH! GEILLLLL! gnarf“ ein. Der Plot spielte größtenteils im Theatersaal des Bürgerhauses und genau in einem solchen befanden wir uns auch In-Time. Dieses Theater befand sich auf einem Schiff und wir alle im Jahre 1927. Schnell sollten wir die Erfahrung machen, dass sich leider in der historischen Bühne der Geist des Zauberkünstlers „Gustavo der Große“ eingenistet hatte, der uns leider alle umbringen wollte. Genau das schaffte er am Ende auch, doch wenigstens konnte er die Welt nicht mit seinen dämonischen Sporen infizieren. Das Abenteuer lebte sehr von den wirklich guten schauspielerischen Künsten der NSCs, der atmosphärischen Untermalung (leise Musik, Sound- und Nebeleffekte, Nebelhörner etc.) und nicht zuletzt dem originellen Plot. Da haben die Jungs und Mädels der Kieler Gruppe „Green Abyss“ wirklich gute Arbeit geliefert. Mehr Informationen und in Kürze auch Fotos gibt es unter www.horror-erleben.de .

Gegen 23.00 Uhr war das Abenteuer dann auch –leider- beendet und mein Weg führte mich zurück zu den Rundenaushängen. Hier sah es leider wieder einmal sehr „übersichtlich“ aus, aber dagegen hilft ja bekanntlich ein altes Hausmittel: Die „Ich suche mir meine Runde selber zusammen“-Methode (besonders beim Rat Con das einzige Mittel, um irgend wann einmal zum Spielen zu kommen…). Schnell wurden ein paar Leute angesprochen und Minuten später fand ich mich in der Shadowrun-Runde eines gewissen Markus (Marcus?) wieder. Mit von der Partie waren außerdem noch zwei andere Typen, die bis auf ihre Bundeswehr-Treter eigentlich recht cool drauf waren und Lili, die kurzerhand mitgeschleift wurde. Wir spielten dabei Shadowrunner, die von Green War den Auftrag bekamen, in einem Kaufhaus ein Tonband über die Lautsprecher laufen zu lassen, in denen von gemordeten Robbenbabies und so die Rede war. Diese Aufgabe lösten wir auch mit ein wenig Grips und vor allem einer gehörigen Portion Humor. Auch wenn „Karl Ranseier, der erfolgsloseste Shadowrunner aller Zeiten“ letzten Endes doch nicht mitspielte, hatte unsere Gruppe um einen penetranten Anwalt, einen tumben Troll, einen nicht ganz stubenreinen Zwerg und meinen Damenschuhliebhabenden Elfen einige vergnügliche Stunden. Eine Runde, die neben ein paar Karmapunkten vor allem eines brachte: Gute Unterhaltung.

Es war nun also gegen 3.00 Uhr nachts und ich machte mir irgendwie die Hoffnung, noch eine Bahn in Richtung Tornesch bekommen zu können. Während Lili also ihren Schlafsack ausrollte und Mona und Mirko bereits früher gegangen waren, eilte ich zum Bahnhof, um besagte Bahn noch zu bekommen. Das sollte sich aber als gnadenlose Fehleinschätzung erweisen, da dieser Zug leider nur wochentags fährt. Da ich aber auch nicht mehr extra zur Convention zurückfahren wollte, schaute ich noch einmal kurz auf dem Kiez nach dem Rechten. Und, ihr könnt beruhigt sein: Alles beim alten da.

Irgendwann gegen 6.00 Uhr kam ich dann doch irgendwie nach Pinneberg, von wo aus ich mit dem Taxi nach hause fuhr. Dabei erwischte ich leider einen äußerst geschwätzigen Taxifahrer, der unbedingt Konversation betreiben wollte: „Und, wo kommst du jetzt her? Feiern auf’m Kiez?“ – „Klar“, antwortete ich, „heute war Götterspeiseabend in Uschis Swingerclub“.

Glaubt mir: Das war die einfachere Antwort als „Ich war heute auf’m Adventure Con des SDNV und habe Cthulhu gespielt.“ Weniger Erklärungen, weit weniger.
In diesem Sinne: Die Convention hat mir sehr viel Spaß gemacht – wir sehen uns also wieder in Uschis… äh… beim Adventure Con 2006!

Sven

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